Wie Lernen funktioniert

Schaut man von oben auf das Gehirn, dann ähnelt es einer riesigen Walnuss. Seine Farbe ist rosagrau und die Oberfläche ist runzelig. Wenn man es anfasst, dann fühlt es sich so ähnlich wie ein Pudding an.

Dies war der Einstieg in meine heutige Unterrichtsstunde zum Thema Lernen. Ich muss gestehen, dass ich mir noch nie Gedanken über die Konsistenz des Gehirns gemacht hatte. Dies kam erst durch die Vorbereitung auf den Unterricht.

Erstaunlich, was die schwabbelige Walnuss, die wir in unserem Kopf herumtragen, so leisten kann. Die Teilnehmer erfuhren heute einige spannende Ergebnisse aus der Gehirnforschung, die wir versucht haben, auf das Lernen während der Ausbildung zu übertragen.

Es ging heute also nicht um die Funktionsweise des Gehirns im allgemeinen, sondern mehr darum, wie man sich das Lernen möglichst leicht machen kann.

Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Illusion der Abrufflüssigkeit.

Die Abrufflüssigkeit zeigt an, wie schnell oder leicht etwas aus dem Gedächtnis abgerufen werden kann. Wir neigen hierbei dazu, unser Wissen zu überschätzen. Das heißt, wenn wir einen Fakt oder eine Information gelernt haben und wiedergeben können, dann glauben wir, dass das morgen oder übermorgen oder sonst irgendwann genauso gut klappen wird. Das ist aber genau nicht so. Wir verdrängen nur zu gern, dass wir auch vergessen.

Darum ist es sinnvoll, insbesondere zur Klausurvorbereitung wiederholende Lernsitzungen zu machen – und zwar am besten, indem man sich selbst testet. Je mehr sich das Gehirn anstrengen muss, um eine Information abzurufen, umso fester wird sie im Gedächtnis verankert. Diese Wirkung hat Robert A. Bjork gemeinsam mit seiner Frau Elizabeth Ligon Bjork in Studien erforscht und daraus eine Theorie entwickelt.

Die Einzelheiten dieser Theorie haben wir im Unterricht nicht im Detail besprochen. Aber die Quintessenz, die wir zogen, ist wiederum sehr interessant: Den besten Lernerfolg erzielt man, wenn man den Stoff komplett neu durchdenken muss. Das funktioniert zum Beispiel durch Testfragen (man könnte zum Üben alte Klausuren oder einen selbst gebastelten Multiple Choice Test lösen) oder indem man den Stoff für sich selbst neu strukturiert. Man könnte also seine Mitschriften aus dem Unterricht beiseite legen und versuchen, das im Unterricht Erlernte selbst noch einmal (aus dem Gedächtnis) aufzuschreiben – so wie ich diesen Text hier gerade frei formuliere – oder vielleicht in eine Mindmap, eine ABC-Liste oder ein selbst entwickeltes Schema zu packen.

Dies waren nur zwei Aspekte, die wir heute besprochen haben. Was die meisten Teilnehmer am allerinteressantesten fanden, beschreibe ich ein anderes Mal, denn dieser Text ist ja nun wirklich schon sehr lang. Es geht hierbei um den Einfluss der Lernumgebung auf das Lernergebnis. Und indem ich das hier nur ankündige, aber nicht auflöse, mache ich mir zugleich einen weiteren grandiosen Effekt zunutze. Welcher das wohl ist?

2 thoughts on “Wie Lernen funktioniert

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