Neues zu lernen klappt mit Vorwissen besser

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung veröffentlichte auf seiner Webseite das Ergebnis einer interessanten Studie.

Demnach hilft Vorwissen, Neues zu lernen.

Diese Feststellung konnte in einem Experiment nachgewiesen werden. Hierbei bereiteten sich Medizinstudenten 100 Tage lang auf das Staatsexamen vor. Hierzu nutzten sie eine webbasierte Lernplattform. 

Drei Monate und kurz vor dem Examen wurden sie im MRT jeweils einem Test unterzogen. Die Aufgabe war, sich jeweils die Gesichter von Personen einzuprägen und zwar einmal mit dazugehörigen medizinischen Diagnosen und in einer anderen Version mit dazugehörigen Vornamen.

Das Ergebnis: Als sie die Gesichter wieder sahen, konnten sie sich besser an die Diagnose zum Gesicht erinnern als an den Vornamen. 

Da sie durch das Üben mit dem Lernprogramm medizinisches Vorwissen angereichert hatten, fiel es ihnen leichter, sich die Diagnosen zu merken. Man sagt, sie hatten durch das vorherige intensive Lernen eine “verbesserte Gedächtnisleistung für medizinverwandte Informationen, nämlich für die Verknüpfung von Gesicht und Diagnose”. 

Im MRT konnte auch direkt festgestellt werden, welche Gehirnbereiche diese positiven Effekte bewirken.

Für mich stellt sich nun die Frage, wie man das nutzen kann? 

Ich schließe zum Beispiel daraus, das man neu zu lernende Fakten oder Sachverhalte möglichst mit etwas Bekanntem verbinden sollte, um das Lernen zu erleichtern. Als Lehrende sollte man sich bei der Vorbereitung des Unterrichts am Vorwissen der Teilnehmer “bedienen”, also versuchen irgendwie einen Anknüpfungspunkt zu finden. Das ist manchmal eine Herausforderung, kann aber bestimmt den Lernprozess verbessern… 

Oder wie sehr ihr das? 

 

Warum ein neugieriges Kind ein schlauer Erwachsener wird und was wir dafür tun können

Für Kinder ist die Welt ein einziges großes Abenteuer. Nahezu alles ist spannend und erforschenswert. Sie haben jede Menge Fragen und manch ein(e) Erwachsene(r) findet den kindlichen Wissensdurst anstrengend, weil man mit dem Antworten kaum hinterherkommt.

Die Frage lautet nun: Muss ich überhaupt antworten?

Der Pädagoge Salman Ansari hat ein spannendes Plädoyer gegen den Frühförderwahn geschrieben: “Rettet die Neugier”. Ich habe das Buch vor einer Weile gelesen und fand es sehr interessant. Die Experimente, die er mit Kindergartenkindern gemacht hat, sind großartig. Ansari rät, Fragen von Kindern nicht einfach zu beantworten, so dass sie “die eine Wahrheit” hören, sondern Fragen zum Anlass zu nehmen, die Neugier der Kinder zu fördern.

Neulich erzählte mir mein Sohn beispielsweise von seiner Beobachtung, dass ein Gegenstand, der weit weg ist, kleiner aussieht, als wenn er nah ist. Ich hätte ihm jetzt das Prinzip der Perspektive erklären können. Aber damit hätte ich ihm eine vorgefertigte Antwort gegeben und seine Forscherneugier erstickt. Wozu? Er hat doch alle Zeit der Welt. Er ist ein Kind und kann das Wort für dieses Kleiner-größer-Ding irgendwann lernen. Wir haben erst einmal beschlossen, das weiter zu untersuchen. Ob das auf alle Gegenstände zutrifft. Und ob es anders ist, wenn es dunkel oder hell ist. Und ob das Wetter eine Rolle spielt. Ob es einen Unterschied macht, wenn es ein Lebewesen und kein Gegenstand ist. Und wer weiß, was uns noch einfallen wird…

waldspaziergang

Ein anderes Forscherexperiment: Letztes Jahr im Herbst haben wir untersucht, was im Wasser schwimmt und was nicht. Wir haben im Park vor unserem Haus immer wieder alles mögliche ins Wasser geworfen, was wir dort gefunden haben – Steine, Kastanien, Stöcke, Federn, Blätter – und geschaut, was passiert. Irgendwann wird er lernen, dass es den Auftrieb gibt. Da hat er es aber schon erforscht und wird die Theorie aufgrund seiner praktischen Erfahrung hoffentlich besser verstehen.

Warum ist Neugier so gut?

Im Jahr 2011 untersuchte die Londoner Psychologin Dr. Sophie von Stumm die Prüfungsleistungen von Studenten in Abhängigkeit von deren Neugier und Intelligenz. Die Studie ergab, dass die Abschlüsse umso besser ausfielen, je größer die Neugier des Studenten war. Und das war auch noch unabhängig vom Intelligenzquotienten.

Neugier ist der fundamentale Antrieb für Lernen. Kinder werden mit einer natürlichen Neugier geboren. Das ist einfach wunderbar. Leider wird sie ihnen allzu oft abtrainiert. Erst von Eltern, die auf “warum” mit “darum” antworten, anstatt sich auf die Erlebniswelt des Kindes einzulassen, dann von der Schule, die den Kindern Antworten auf Fragen vorgibt, die sie selbst gar nicht gestellt haben.

Neugier ist wichtig und macht schlau. Kinder sind eine wunderschöne Gelegenheit, seine eigene Neugier wieder hervorzukramen und die Welt zu erkunden.

 

(Foto: privat)

Webfundstück: Gehirnentwicklung fördern mit Spaß

Jeden Tag bin ich online unterwegs und entdecke dabei allerlei interessantes. Wenn ich ein Fundstück nicht sofort lesen kann, dann schicke ich mir meist eine Email mit dem Link. Si hat sich mit der Zeit ein kleines Archiv mit spannenden Informationen zu allen möglichen Themen angesammelt.

Auf der Webseite der Washington Post stieß ich beim morgendlichen Surfen zufällig auf einen interessanten Beitrag, den ich hier vorstellen möchte, weil er wunderbar zum Thema des Blogs passt. In diesem Artikel werden fünf Wege aufgezählt, die Gehirnentwicklung seines Kindes mit Spaß zu fördern.

Gleich zu Beginn wird hier klargestellt, was die Antwort ist. Oder vielmehr wer. Dort heißt es nämlich (übersetzt): “Kurz, die Antwort bist du. Und zwar nicht nur deine physikalische Präsenz, sondern deine emotionale.”

Wie kann man nun sein Kind jeden Tag fördern und dabei auch noch Spaß haben?

Ein Rat lautet, man solle jeden Tag noch einmal Kind sein, sich zwanzig Minuten pro Tag Zeit nehmen, mit seinem Kind zu forschen und zu feiern, was man dabei entdeckt. Das klingt wirklich nach Spaß, oder?

Neugierig auf die anderen vier Ratschläge? Hier geht`s zum Beitrag.

Wie Lernen funktioniert – Teil 3

Die Spannung steigt! Wird Steffi heute endlich erklären, was sie hier und hier so dramatisch angekündigt hat?

Na klar. Ewig will ich das nicht hinauszögern, denn das wäre schon irgendwie doof, oder?

Kommen wir also zu Bluma. Nein, ich meine nicht die Brause. Bluma Zeigarnik war eine grandiose Wissenschaftlerin. Eine Kurzfassung ihres Lebenslaufs hat die Humboldt-Universität veröffentlicht. Etwas ausführlicher berichtet kulturring.org.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit erforschte Bluma Zeigarnik, wie sich der Status einer Handlung auf die Gedächtnisleistung auswirkt. Unter dem Titel “Das Behalten erledigter oder unerledigter Handlungen” veröffentlichte sie 1927 das Ergebnis ihrer Studien, die einen später nach ihr benannten Effekt bestätigten.

Und nun komme ich endlich zum Punkt.

denkende Frau

Der Zeigarnik-Effekt

Man erinnert sich besser an unerledigte, noch offene Aufgaben als an erledigte, abgeschlossene Aufgaben.

In Fernsehserien wird dieser nach Bluma Zeigarnik benannte Effekt genutzt, indem man die Folge an einer spannenden Stelle unterbricht und erst in der Fortsetzung auflöst – natürlich nicht, ohne wieder einen neuen Spannungsbogen aufzubauen. Umgangssprachlich nennen wir das Cliffhanger. So bringt man das Publikum dazu, bei der nächsten Folge wieder einzuschalten.

Wie kam Bluma Zeigarnik darauf? In der Zeit, als sie auf der Suche nach einem Thema für ihre Doktorarbeit war, trafen sich Professoren und Studenten auch schon mal im Café, um zu diskutieren und sich auszutauschen. Es waren die 1920er Jahre in Berlin. Bei einem solchen Treffen fiel ihr und ihrem Professor Lewin auf, dass die Kellner sich hervorragend jede Bestellung merken konnten und dem Gast immer das von ihm Bestellte servierten und sich auch beim Kassieren noch an die ganze lange Liste der bestellten Getränke erinnern konnten. Sobald die Rechnung allerdings beglichen war, konnten sie sich nicht mehr daran erinnern, was der Gast bestellt hatte. Das fanden die beiden so erstaunlich, dass Bluma Zeigarnik dieses Phänomen im Rahmen ihrer Dissertation untersuchen wollte.

Und wie erklärt man sich das nun? Die Theorie lautet: Unser Gehirn möchte offene Aufgaben gern abschließen und hält sie darum präsent. Man kann sich vorstellen, dass durch die Aufgabe eine Spannung aufgebaut wird, als würde man an einem Gummiband oder einer Feder ziehen. Das Gehirn möchte gern in den entspannten Zustand zurück. Diesen erreicht es, sobald die Aufgabe erledigt ist – das Gummiband oder die Feder schnipsen in ihren Ursprungszustand zurück. Die erledigte Aufgabe ist nicht mehr wichtig, das Gehirn konzentriert sich auf anderes. So lange die Aufgabe aber unerledigt war, spukte sie im Kopf umher und suchte nach Aufmerksamkeit.

Im Rahmen Ihrer Studien ermittelte Bluma Zeigarnik, dass unerledigte Handlungen zu 90% besser im Gedächtnis bleiben als erledigte. Faszinierend.

Wie nutzen wir das für das Lernen in der Ausbildung oder beim Studium?

Wie viele Menschen haben direkt nach der Klausur den Stoff vergessen, der eben noch abgefragt wurde? Im Unterricht diskutierten wir, ob es evt. sinnvoll wäre, sich schon während des Lernens klarzumachen, dass man diesen Stoff auch noch in der Abschlussprüfung in zwei oder drei Jahren oder während des anschließenden Jobs brauchen wird. Man könnte also versuchen, den Lernstoff bewusst zu einer unerledigten Handlung zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass es hilfreich ist, sich bewusst zu machen, wie wichtig das gerade erworbene Wissen in der Zukunft noch sein wird. Die Teilnehmer waren davon weniger überzeugt.

Die zweite Idee, die wir im Unterricht entwickelten, war in den Augen der Teilnehmer schon wesentlich praktikabler: Man könnte in den Lernvorgang Cliffhanger einbauen, um sich selbst das Lernen spannender zu machen und das Wissen besser im Kopf zu verankern. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es ist nun an uns, den Zeigarnik-Effekt beim Lernen auszuprobieren.

 

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Wie Lernen funktioniert – Teil 2

Neulich erzählte ich hier von meinem Unterricht bei den Azubis. Wir beschäftigten uns mit dem Thema Lernen und wie man es sich leichter machen kann.

Welcher Aspekt erschien den Teilnehmern denn nun besonders spannend?

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Es ging hierbei um unser Erinnerungsvermögen. Wenn wir uns ein Ereignis vergegenwärtigen, dann hilft es, sich gedanklich in die Situation zu begeben. Wir schließen die Augen und gehen im Kopf an den Ort und in die Zeit, als es geschah. Die Situation wird lebendig, wir nehmen viel mehr Details wahr.

Diesen Effekt kann man wunderbar auch für das Lernen nutzen. Es ist hilfreich, den Lernort zu variieren, um dem Gehirn mehr Reize zu bieten, mit denen es den Stoff verknüpfen kann. So fällt uns im Ernstfall (was in der Regel die Prüfung bzw. Klausur ist) mehr Faktenwissen ein, wenn wir uns gedanklich an die verschiedenen Lernorte versetzen. Klingt komisch, oder? Die meisten von uns haben bisher sicher eher so gelernt, dass sie am immer gleichen Schreibtisch in möglichst ruhiger Umgebung saßen. Jedoch fand man nun in Studien heraus, dass der Kontext (also die Lernumgebung) das Lernen positiv beeinflussen kann. Man muss es nur nutzen.

Eine Teilnehmerin bestätigte dies auch im Unterricht. Sie erzählte von einer Klausur, wo ihr der Stoff wieder einfiel, als sie sich das Lied in Erinnerung rief, dass sie während des Lernens gehört hatte. Großartig.

Wie nutzen wir das nun also für uns? 

Bei jeder wiederholenden Lernsitzung verändern wir etwas, um unserem Gehirn viel Abwechslung zu bieten. Statt in Jogginghose mal im Schlafanzug oder in festlicher Kleidung lernen, statt zuhause mal im Café, im Garten oder auf dem Balkon, statt auf kariertem Papier mit Kugelschreiber mal auf liniertem mit Bleistift schreiben, statt Stille mal mit Musik im Hintergrund… Das Gehirn verknüpft den Lernstoff mit vielen verschiedenen Hinweisreizen und kann ihn dadurch besser abrufen.

Diesen Effekt fanden die Teilnehmer am allerinteressantesten. Aber welcher ist denn nun dieser andere grandiose Effekt, den ich im letzten Beitrag ankündigte? Dazu nächstes Mal mehr.

 

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Wie Lernen funktioniert

Schaut man von oben auf das Gehirn, dann ähnelt es einer riesigen Walnuss. Seine Farbe ist rosagrau und die Oberfläche ist runzelig. Wenn man es anfasst, dann fühlt es sich so ähnlich wie ein Pudding an.

Dies war der Einstieg in meine heutige Unterrichtsstunde zum Thema Lernen. Ich muss gestehen, dass ich mir noch nie Gedanken über die Konsistenz des Gehirns gemacht hatte. Dies kam erst durch die Vorbereitung auf den Unterricht.

Erstaunlich, was die schwabbelige Walnuss, die wir in unserem Kopf herumtragen, so leisten kann. Die Teilnehmer erfuhren heute einige spannende Ergebnisse aus der Gehirnforschung, die wir versucht haben, auf das Lernen während der Ausbildung zu übertragen.

Es ging heute also nicht um die Funktionsweise des Gehirns im allgemeinen, sondern mehr darum, wie man sich das Lernen möglichst leicht machen kann.

Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Illusion der Abrufflüssigkeit.

Die Abrufflüssigkeit zeigt an, wie schnell oder leicht etwas aus dem Gedächtnis abgerufen werden kann. Wir neigen hierbei dazu, unser Wissen zu überschätzen. Das heißt, wenn wir einen Fakt oder eine Information gelernt haben und wiedergeben können, dann glauben wir, dass das morgen oder übermorgen oder sonst irgendwann genauso gut klappen wird. Das ist aber genau nicht so. Wir verdrängen nur zu gern, dass wir auch vergessen.

Darum ist es sinnvoll, insbesondere zur Klausurvorbereitung wiederholende Lernsitzungen zu machen – und zwar am besten, indem man sich selbst testet. Je mehr sich das Gehirn anstrengen muss, um eine Information abzurufen, umso fester wird sie im Gedächtnis verankert. Diese Wirkung hat Robert A. Bjork gemeinsam mit seiner Frau Elizabeth Ligon Bjork in Studien erforscht und daraus eine Theorie entwickelt.

Die Einzelheiten dieser Theorie haben wir im Unterricht nicht im Detail besprochen. Aber die Quintessenz, die wir zogen, ist wiederum sehr interessant: Den besten Lernerfolg erzielt man, wenn man den Stoff komplett neu durchdenken muss. Das funktioniert zum Beispiel durch Testfragen (man könnte zum Üben alte Klausuren oder einen selbst gebastelten Multiple Choice Test lösen) oder indem man den Stoff für sich selbst neu strukturiert. Man könnte also seine Mitschriften aus dem Unterricht beiseite legen und versuchen, das im Unterricht Erlernte selbst noch einmal (aus dem Gedächtnis) aufzuschreiben – so wie ich diesen Text hier gerade frei formuliere – oder vielleicht in eine Mindmap, eine ABC-Liste oder ein selbst entwickeltes Schema zu packen.

Dies waren nur zwei Aspekte, die wir heute besprochen haben. Was die meisten Teilnehmer am allerinteressantesten fanden, beschreibe ich ein anderes Mal, denn dieser Text ist ja nun wirklich schon sehr lang. Es geht hierbei um den Einfluss der Lernumgebung auf das Lernergebnis. Und indem ich das hier nur ankündige, aber nicht auflöse, mache ich mir zugleich einen weiteren grandiosen Effekt zunutze. Welcher das wohl ist?

Keine Typfrage

Ich habe das immer geglaubt. Bis heute.

Ich hielt mich für einen Lerntyp, der am besten übers Hören lernt. Wenn ich im Unterricht dabei war und den Stoff einmal gehört hatte, brauchte ich für die Klausur nicht mehr zu lernen.

Aber wie ich eben in einem interessanten Artikel bei der FAZ las, gibt es gar keine Lerntypen! Ha! Die nennen das sogar “pseudowissenschaftliches Schubladendenken”. Also, die Psychologin Prof. Elsbeth Stern nennt es so. Interessant.

Die Lerntypen seien demnach eher antrainiert. Und wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke, dann habe ich im Unterricht auch schon immer viel mitgeschrieben und weitergedacht. Ich habe mir nicht nur das Tafelbild notiert, sondern eigene Schemata vom Stoff entwickelt. Im Prinzip habe ich im Unterricht aktiv mitgedacht und mitgearbeitet – und dadurch fiel es mir leicht, mich auf eine Klausur vorzubereiten. Und darum war es schwerer für mich, wenn ich nur die Mitschriften anderer Schüler hatte. Klar wie Kloßbrühe.

Warum schreibe ich dies nun hier auf? 

Nun, ich bereite gerade eine Unterrichtseinheit zum Thema Lerntechniken vor. Da gilt es zunächst, den Stoff zum Thema zu sammeln, zu sichten und dann aufs Wesentliche zu reduzieren. Und in dem tollen Seminar bei Harald Groß habe ich ja schon gelernt, wie wichtig es ist, als Dozent alle Sinne anzusprechen und die Lernenden zu aktivieren. Dieser Artikel bestätigt dies und erinnerte mich daran, dies bei der Unterrichtsvorbereitung auch jaaaaa zu beachten.

Flache Fachlandkarten

Als ich den Raum betrat, waren alle Schüler eingeschlafen. So schien es zumindest. Einige gähnten, zwei hatten sogar ihren Kopf auf die verschränkten Arme gebettet und der Rest schaute extrem gelangweilt und desinteressiert.

Und nun?

Wie motiviere ich müde Teilnehmer, dem Unterricht zu folgen? Diese und viele andere Fragen wurden bei dem Seminar geklärt, das ich letzte Woche erleben durfte.

Ich schreibe absichtlich erleben. Ein Erlebnis war es nämlich. Der Dozent Harald Groß war selbst das beste Beispiel, wie man gut unterrichtet und Freude am Lernen weckt.

Gemeinsam erarbeiteten wir uns, wie man Fachlandkarten erstellt. Wir fanden heraus, was Prototypen sind und wie man Stoff reduziert. Schon allein diese drei Themen waren es wert, am Seminar teilzunehmen. Es gab allerdings noch viel mehr zu entdecken. Spannend fand ich die vielen Methoden, wie man die Teilnehmer aktivieren oder sie sich selbst Unterrichtsstoff erarbeiten lassen kann. Am letzten Tag machten wir auch einige Improvisationsübungen, in denen wir uns Problemen stellen mussten, die im Unterricht vorkommen können. Ich erwischte dabei die schläfrigen Schüler.

So ein tolles Seminar motiviert. Schon heute habe ich die neuen Methoden im Unterricht eingesetzt und bin begeistert davon, wie gut es funktioniert hat.

Und wie kriege ich nun die Müden wieder munter und lernbereit?

Zum einen hilft es, selbst Energie und Motivation auszustrahlen. Man sollte mögen, was man tut und sich auf die Teilnehmer und den Unterricht freuen.

Ein aktivierendes Spiel ist auch toll. Dafür müssen sich die Teilnehmer bewegen und so ein Spiel ist regelmäßig mit Spaß und Lachen verbunden, so dass die Müdigkeit danach verflogen sein dürfte. Einige Ideen findet man zum Beispiel auf dieser Webseite oder im Munterbrechungen-Buch von Harald Groß.

Man kann auch mit einer Gruppenarbeit starten. Hierbei sollte man die Gruppen möglichst durcheinander würfeln, so dass die Teilnehmer aufstehen müssen, um sich in ihren Gruppen zusammenzufinden.

Der inspirierende Herr Professor D.

Neulich hörte ich im Rahmen einer beruflichen Veranstaltung einen Vortrag von Professor Dr. Klaus W. Döring von der Technischen Universität Berlin.

Nun ist das Thema Lernen eines, was mich insbesondere seit der Geburt meines Sohnes sehr interessiert. Ich finde es unfassbar spannend, wie sich das Gehirn im Laufes des Lebens entwickelt, wie es Informationen aufnimmt, verarbeitet, speichert und wie man diese wieder abrufen kann.

Gleichzeitig bin ich gern unter lernenden Menschen. Wer lernt nicht gern neues?

Dies führte nicht zuletzt dazu, dass ich nebenamtliche Fachdozentin wurde. Ja, und so geriet ich dann in den Vortrag, von dem ich hier berichten möchte.

Professor Döring stellte seinen Vortrag unter das Motto “Lehren – eine Dienstleistung”.

Allerdings war es nicht wirklich ein Vortrag – es war eher eine sehr unterhaltsame Vortragsshow. Man muss dazu sagen, dass Professor Dörung Jahrgang 1938 ist. Wie er uns aber versicherte, spielt er noch zweimal wöchentlich Tennis und so war es kaum verwunderlich, dass er während des Vortrags auch mal auf die Knie fiel oder von einer Seite des Raumes zu anderen sprintete.

Durch seine freundliche und warmherzige Ausstrahlung und die geistreiche, manchmal etwas “kecke” Vortragsweise zog er alle Zuhörer in kürzester Zeit in seinen Bann. Es wurde viel gelacht und kein einziges Mal gegähnt.

Aber kommen wir endlich zum Inhalt.

Angefangen von der Rolle des Lehrenden als Führungsfigur, die Lernen ermöglichen soll, über die fünf Kompetenzen, die einen (guten) Lehrenden auszeichnen, über den Begriff des Lernens an sich (das heißt, unter welchen Bedingungen ist Lernen eigentlich möglich) bis hin zur Stoffreduktion und Stoffstruktur habe ich sehr viel erfahren und einige Aha-Erlebnisse gehabt.

Es ist ein gutes Gefühl, wenn einem ein Praktiker mit jahrzehntelanger Erfahrung einfach mal direkt sagt, dass es nicht die Aufgabe des Dozenten ist, alles, was er über ein Thema weiß, auf die Seminarteilnehmer zu übertragen. Was ich in drei oder mehr Jahren gelernt habe, kann ich doch gar nicht erwarten, dass die Teilnehmer es in zwei Stunden verstehen und verinnerlichen. Unmöglich!

Das war mir als Anfänger oft wirklich nicht bewusst. Ich war damals immer versucht, möglichst alles, was es über ein Thema gab, in meiner Unterrichtszeit unterzubringen. Schließlich weiß man ja nicht genau, welchen Aspekt ein Prüfer in einer Klausur oder mündlichen Prüfung später aufgreifen wird. Es dauerte eine Weile, bis ich mich davon gelöst hatte.

Denn genau das ist eine falsche Herangehensweise, wie mir im Vortrag nun ebenfals bestätigt wurde. Viel wichtiger ist es, Lernsituationen zu erschaffen. Das heißt, die Teilnehmer müssen so viel wie möglich anwenden, wiedergeben, ausprobieren, üben – alles andere tun als nur zuhören und Theorie einatmen.

Dies ist natürlich nicht neu und ich will es auch gar nicht episch ausbreiten. Und es gibt ja zwischenzeitlich auch jede Menge Literatur und Seminare auf dem Markt.

Professor Dr. Klaus Döring hat unter anderem ein Buch für die Weiterbildung geschrieben. Es heißt “Handbuch Lehren und Trainieren in der Weiterbildung” und ist in meinen Augen eine Leseempfehlung.

Alles in allem war der Vortrag von Professor Döring das beste, was ich während der zweitägigen Veranstaltung erlebte.