Man kann auch aus Negativbeispielen lernen

Am Donnerstag und Freitag war ich auf einer Tagung, wo es Vorträge und Workshops rund ums Lernen geben sollte. Na, und natürlich auch gab.

Der erste Tag sollte zu 75% von einem Trainer gestaltet werden, dessen Thema laut Ankündigung “Umgang mit schwierigen Situationen im Unterricht” sein sollte.

Nun. Das Wort “sollte” deutet schon an, dass es wahrscheinlich nicht ganz wie geplant ablief. Ich berichte in Auszügen: Der Dozent kam nicht nur zu spät (was an sich entschuldbar ist und jedem passieren kann), er war offensichtlich auch auf ein völlig anderes Thema (oder gar nicht?) vorbereitet.

Zunächst erzählte uns dieser Herr, dass Trainer einen Vortrag oder Workshop üblicherweise damit beginnen, von ihren Erfolgen und Kunden zu sprechen und dass das meist sehr ausufernd und kein guter Stil sei und dass er uns das ersparen wolle – nur, um dann selbst eine halbe Ewigkeit lang darüber zu reden, wer alles schon zu seinen Kunden zählte und welche Videos er bei YouTube und welche Präsentationen er schon bei Slideshare veröffentlicht hat. Uff.

Dieses Verhalten zog sich durch seine gesamte Präsentation. Er sagte, was man niemals tun sollte, wenn man ein guter Dozent oder Präsentator sein möchte – und prompt tat er es selbst. Als hätte er sich eben nicht zugehört. Doppeluff. Weitere Beispiele spare ich mir und berichte stattdessen einfach mal, wie es weiterging.

Thema verfehlt und Redeschwall

Nach der einigermaßen irritierenden Begrüßung begann der Trainer endlich seinen Vortrag. Wir schauten nicht schlecht, als die erste PowerPoint-Folie aufploppte. Dort stand als Überschrift nämlich “Generation Y”. Und er sprach dann auch tatsächlich eine ganze Weile zu diesem Thema. Bis sich ein Zuhörer meldete und ihm mitteilte, dass dieses Thema zwar sehr interessant sein mag, aber wir eigentlich etwas anderes erwartet haben.

Große Augen schauten uns an. Da hatten wir ihn doch tatsächlich für einen kurzen Moment sprachlos gemacht.

Zeichnung - Männerkopf mit Fragezeichen

Die Pause währte allerdings nur kurz. Dann quasselte er weiter. Es war bewundernswert, wie er ohne Unterlass reden konnte. Das schaffe ja nicht einmal ich! Zwischendurch schaute er immer mal wieder schwitzend und mit halb verzweifeltem Blick auf die Uhr. Und redete und redete… Nur irgendwie nicht so wirklich zum Thema. Es hatte alles keine Substanz, bot keine wirklichen Informationen.

Auf die angekündigte Gruppenarbeit warteten wir vergeblich. Und auf kleine Pausen auch. Er begann die Mittagspause sogar dreißig Minuten später als laut Ablaufplan vorgesehen. Das muss man sich als Dozent, der eigentlich gerade gar nichts zu sagen hat, erstmal trauen. Wir vermuteten im Nachhinein, dass er nicht nur das Thema nicht kannte, sondern sich auch nicht wirklich über den geplanten Ablauf informiert hatte.

Und trotzdem blieben wir die ganze Zeit freundlich und niemand begehrte auf, weil wir alle sehen konnten, wie sehr er leidet. Es war einfach zu offensichtlich, dass dieser Tag komplett in die Hose gegangen ist.

Das Erlebte reflektieren, um daraus zu lernen

Ich überlegte im Nachhinein, ob das wirklich so war. Also, ob dieser Tag komplett in die Hose gegangen ist. Da wurde mir bewusst, dass es eben nicht so ist. Der “Nichtworkshop” dieses Herrn war ein Negativbeispiel, an dem man lernen kann, wie man es lieber nicht machen sollte.

Und dass wir alle erkannten, wo der Trainer sich noch verbessern oder was er anders machen kann, zeigte uns Zuhörern, wie gut wir inzwischen offenbar in unserem eigenen Unterrichten geworden sind und wie hoch unser Anspruch an Trainer und Dozenten geworden ist. (Der Vortrag wurde während der gesamten Tagung natürlich ausführlich diskutiert.)

Tja, und was habe ich, was haben wir gelernt? Zum Beispiel dies:

  • Rede nicht so viel über dich selbst – außer, du hast etwas wirklich spannendes zu berichten (das am besten auch noch irgendwie mit dem Thema zu tun hat).
  • Wenn du merkst, dass du das Thema verfehlt hast, stehe offen dazu. Das kann dich durchaus sympathischer machen. Sammle dich und versuche mit dem, was dein Repertoire hergibt, noch einen Vortrag oder Workshop zu zaubern, der den Teilnehmern etwas bringt.
  • Schreibe auf Flipcharts leserlich.
  • Sprich laut (genug) und deutlich.
  • Mache genügend Pausen und halte dich an den vorgegebenen Zeitrahmen.

Im Grunde genommen sollte man es im Leben immer so halten, wie wir es mit diesem Nichtworkshop taten: Von jedem Menschen, auf den du triffst, kannst du etwas lernen.

 

(Foto: privat)

Warum ein neugieriges Kind ein schlauer Erwachsener wird und was wir dafür tun können

Für Kinder ist die Welt ein einziges großes Abenteuer. Nahezu alles ist spannend und erforschenswert. Sie haben jede Menge Fragen und manch ein(e) Erwachsene(r) findet den kindlichen Wissensdurst anstrengend, weil man mit dem Antworten kaum hinterherkommt.

Die Frage lautet nun: Muss ich überhaupt antworten?

Der Pädagoge Salman Ansari hat ein spannendes Plädoyer gegen den Frühförderwahn geschrieben: “Rettet die Neugier”. Ich habe das Buch vor einer Weile gelesen und fand es sehr interessant. Die Experimente, die er mit Kindergartenkindern gemacht hat, sind großartig. Ansari rät, Fragen von Kindern nicht einfach zu beantworten, so dass sie “die eine Wahrheit” hören, sondern Fragen zum Anlass zu nehmen, die Neugier der Kinder zu fördern.

Neulich erzählte mir mein Sohn beispielsweise von seiner Beobachtung, dass ein Gegenstand, der weit weg ist, kleiner aussieht, als wenn er nah ist. Ich hätte ihm jetzt das Prinzip der Perspektive erklären können. Aber damit hätte ich ihm eine vorgefertigte Antwort gegeben und seine Forscherneugier erstickt. Wozu? Er hat doch alle Zeit der Welt. Er ist ein Kind und kann das Wort für dieses Kleiner-größer-Ding irgendwann lernen. Wir haben erst einmal beschlossen, das weiter zu untersuchen. Ob das auf alle Gegenstände zutrifft. Und ob es anders ist, wenn es dunkel oder hell ist. Und ob das Wetter eine Rolle spielt. Ob es einen Unterschied macht, wenn es ein Lebewesen und kein Gegenstand ist. Und wer weiß, was uns noch einfallen wird…

waldspaziergang

Ein anderes Forscherexperiment: Letztes Jahr im Herbst haben wir untersucht, was im Wasser schwimmt und was nicht. Wir haben im Park vor unserem Haus immer wieder alles mögliche ins Wasser geworfen, was wir dort gefunden haben – Steine, Kastanien, Stöcke, Federn, Blätter – und geschaut, was passiert. Irgendwann wird er lernen, dass es den Auftrieb gibt. Da hat er es aber schon erforscht und wird die Theorie aufgrund seiner praktischen Erfahrung hoffentlich besser verstehen.

Warum ist Neugier so gut?

Im Jahr 2011 untersuchte die Londoner Psychologin Dr. Sophie von Stumm die Prüfungsleistungen von Studenten in Abhängigkeit von deren Neugier und Intelligenz. Die Studie ergab, dass die Abschlüsse umso besser ausfielen, je größer die Neugier des Studenten war. Und das war auch noch unabhängig vom Intelligenzquotienten.

Neugier ist der fundamentale Antrieb für Lernen. Kinder werden mit einer natürlichen Neugier geboren. Das ist einfach wunderbar. Leider wird sie ihnen allzu oft abtrainiert. Erst von Eltern, die auf “warum” mit “darum” antworten, anstatt sich auf die Erlebniswelt des Kindes einzulassen, dann von der Schule, die den Kindern Antworten auf Fragen vorgibt, die sie selbst gar nicht gestellt haben.

Neugier ist wichtig und macht schlau. Kinder sind eine wunderschöne Gelegenheit, seine eigene Neugier wieder hervorzukramen und die Welt zu erkunden.

 

(Foto: privat)

Trennst du dich oder trennst du dich nicht?

Heute las ich auf der Webseite der Zeit einen Artikel von Harald Martenstein über “magische Gegenstände”.

Er greift dort ein interessantes Thema auf, das mich auch schon manches Mal beschäftigt hat: Es gibt Menschen, die haben eine geradezu katalogreife Wohnung – alles ist aufgeräumt, die Möbel passen perfekt zum Teppich und den sonstigen Einrichtungs- und Dekorationsgegenständen. Persönliche Gegenstände, Fotos, Nippes, Andenken oder sonstiger “Kram” sind hinter Schranktüren verdammt oder einfach gar nicht erst vorhanden. Es gibt sogar Menschen, die nach dem Prinzip des Minimalismus leben, entrümpeln, auf Konsum zum Zeitvertreib verzichten und nur das Nötige besitzen wollen.

Auch die aktuelle Single von Silbermond singt vom leichten Gepäck, dass man sich von Ballast befreien soll und eigentlich viel weniger braucht, als man denkt.

Nur wie wenig braucht man wirklich? Ich meine hier insbesondere Dinge mit persönlichem Bezug. Bei Harald Martenstein ist es zum Beispiel ein “kleines grünes Töpfchen mit Hautsalbe”, welches für ihn eine Verbindung in der Vergangenheit darstellt, als sein Vater noch lebte. Solche Dinge habe ich auch. Allerdings jede Menge. Ich verbinde mit vielen Dingen eine Erinnerung und frage mich daher manchmal, ob meine Wohnung – ja länger mein Leben andauert und sich mit Erinnerungen füllt – nicht irgendwann überläuft.

Aber von was soll man sich trennen? Sollte man sich überhaupt von “Erinnerungskram” trennen? Welche Erinnerung soll nur noch im Kopf bestehen und welche soll an einem Ding hängen bleiben, welches man in die Hand nehmen, hin- und herräumen, entstauben, dran riechen und als Erinnerungsstütze nutzen kann?

Zum Glück habe ich noch Platz in der Wohnung.

Hui, Verschwörung, Verschwörung

Im Neon-Blog las ich ein Interview mit Professor Armin Pfahl-Traugber über Verschwörungstheorien und warum sie sich so hartnäckig halten.

Der Soziologe Pfahl-Traughber erklärt Verschwörungstheorien als ” im Grunde falsche Ideologien”. Personen, die daran glauben, versuchen hierdurch komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen.

Wie kann das sein? Nun, wir suchen für alles immer nach dem Grund, der Schuld oder einer Logik dahinter. Wenn etwas gewaltiges passiert, fällt es jedoch manchmal schwer, Zusammenhänge oder Hintergründe zu begreifen. Da springt dann schon mal die Phantasie ein und erfindet die wildesten Geschichten.

Im Interview sagt Pfahl-Traughber: “Die Anhänger [Anm.: einer Ideologie / Verschwörungstheorie] haben das Gefühl, dass sie auf der Seite des Guten stehen.” Dabei sei es unabhängig vom Grad der Bildung, ob man anfällig für Verschwörungstheorien ist oder nicht.

Das Interview fand ich sehr spannend – vor allem den Hinweis, dass viele Menschen, die auf eine Verschwörungstheorie hereingefallen sind oder sich selbst eine zurechtgebastelt haben, davon nicht abzubringen sind, weil sie Gegenargumente als Lüge betrachten und nur nach Informationen suchen, die ihre Theorie bestätigen.

Spannend, oder?

Fang an!

Es ist nie zu spät anzufangen. Natürlich gibt es keine Garantie, dass du es auch zu Ende bringst. Aber wenn du gar nicht erst anfängst, nimmst du dir jede Chance, es zu beenden.

Diese Erkenntnis gibt es in Hunderten Varianten. Schon Marcus Tullius Cicero sagte: “Fange niemals an aufzuhören – höre niemals auf anzufangen.”

Cicero ist einer der berühmtesten Redner des alten Roms. Er lebte von 106 – 43 vor unserer Zeitrechnung und war auch Politiker und Philosoph.

Also, wenn es schon die alten Römer wussten, dann werden wir das doch wohl hinkriegen, oder?