Extrem entgegenkommend

Heute hatte ich auf dem Weg zur Arbeit eine unheimliche Begegnung. Mir kam doch tatsächlich ein Auto AUF MEINER SPUR entgegen.

Ich wollte es erst gar nicht recht glauben und dachte, ich würde mich täuschen. Wer ist morgens um kurz vor sechs schließlich schon richtig wach? Aber nein, das Auto fuhr tatsächlich auf meiner Spur – nur in die völlig falsche Richtung. Da wird einem irgendwie warm, wenn man das bemerkt.

Zum Glück wechselte er kurz vor mir auf seine Fahrbahn. Wirklich Glück, denn ich hätte auch gar nicht so gut ausweichen können, da auf der Nebenspur auch Autos fuhren und ich vor Schreck gar nicht wusste, wohin und überhaupt und so.

Sowas ist mir noch nie passiert. Und ehrlich gesagt kann ich auf derartige erste Male auch gut verzichten.

Gehirnjogging – oder: warum du etwas für deine Fitness tun solltest

Wer heute keinen Sport macht, hat in zwanzig Jahren ein kleineres Gehirn.

Zu diesem erstaunlichen Ergebnis kam eine Studie von Dr. Nicole Spartano an der Boston University School of Medicine’s.

Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren wurden Personen beobachtet, die zu Beginn der Studie ca. 40 Jahre (und damit am Ende ca. 60 Jahre) alt waren.

Dabei fand man heraus, dass das Hirnvolumen umso geringer war, je schlechter die Ausdauer des Probanden zu Beginn des Versuchs.

Je schneller der Blutdruck und die Herzfrequenz bei Belastung zu Beginn der Studie anstiegen, umso deutlicher war der Unterschied am Ende der Studie zu den körperlich fitten Teilnehmern. Die Fitness der Teilnehmer bewirkte einen eindeutigen Unterschied in ihren kognitiven Fähigkeiten, als sie älter wurden.

Was lernen wir daraus? Sport ist doch kein Mord. Im Gegenteil.

Bewegung tut gut und sorgt nicht nur für körperliche Fitness, sondern trägt auch dazu bei, unsere geistige Gesundheit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Weitere Informationen (auf englisch) gibt es hier und hier.

sport_gehirn

Es ist übrigens leicht, etwas für seine Ausdauer zu tun. Dazu muss man sich nicht im Fitnessstudio anmelden oder irgendwelche Kurse besuchen. Es reicht, ein paarmal pro Woche an die frische Luft zu gehen und sich zu bewegen – joggen, walken, skaten, Ski fahren, Basketball oder Tennis spielen, rudern, segeln…

Also los, rein in die Laufschuhe und schnell eine Runde um den Block gedreht. Ich komm mit!

Foto von: ajcotton / 123RF Lizenzfreie Bilder

psychologischer Effekt: Was Vertrauen erzeugt

Eine große Firma irgendwo in Deutschland. Viele Büros reihen sich in einem langen Flur aneinander. Es gibt viel zu tun.

Die Kollegin aus dem Büro vom einen Ende des Flures (nennen wir sie Marianna) trifft man ständig auf dem Gang oder in der Cafeteria. Vielleicht hat sie eine empfindliche Blase? Oder sie bewegt sich gern und bringt deshalb die Post schon zwischendurch immer mal wieder weg oder holt sich einen Kaffee? Egal. Sie erledigt ihre Arbeit trotzdem fleißig.

Die Kollegin vom anderen Ende des Flures dagegen (lassen wir sie Corinna heißen) verbringt ihren Arbeitstag überwiegend in ihrem Büro. Sie arbeitet auch fleißig einen Vorgang nach dem anderen ab, aber ist nur selten auf dem Flur anzutreffen. Man sieht sie auch nie in der Kantine oder am Kaffeeautomaten.

Ihre Chefin soll sich nun entscheiden, welche der beiden eine Beförderung erhält. Beide erbringen gleich gute Leistungen und haben von ihrer direkten Vorgesetzten eine hervorragende Beurteilung erhalten – trotzdem wird sich die Chefin mit großer Wahrscheinlichkeit für Marianna entscheiden. Warum?

Die unterschwellige Wirkung der Begegnung

Es liegt an einem interessanten Effekt, den der Psychologe Robert Zajonc 1968 entdeckt hat. Durch die wiederholte Begegnung mit einem Menschen entsteht eine Vertrautheit, die die Einstellung zu diesem Menschen positiv beeinflusst. Voraussetzung ist, dass die erste Begegnung auch positiv besetzt war.

Man nennt dieses psychologische Phänomen Mere-Exposure-Effekt oder auf deutsch Effekt des bloßen Kontakts. Dieser Effekt tritt übrigens nicht nur bei Personen, sondern auch bei Dingen oder Situationen auf. Und es reicht völlig, wenn die Wahrnehmung nur unterschwellig erfolgt.

Wenn also Marianna regelmäßig über den Flur läuft, begegnet sie dabei bestimmt auch das ein oder andere Mal der Chefin. Die nimmt sie vielleicht nicht einmal bewusst wahr, aber sie wird ein Gefühl der Vertrautheit mit Marianna empfinden, wenn sie sich zwischen ihr und Corinna – die sie nie sieht – entscheiden muss. Marianna wird ihr sympathischer und besser geeignet erscheinen.

Was machen wir daraus?

Wir können dieses Phänomen nutzen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn wir bei jemandem, den wir um ein Date bitten wollen, zunächst dafür sorgen, dass er oder sie uns ein paarmal gesehen hat? Natürlich sollte es möglichst keine negative Begegnung sein.

Auch die Bewerbung um eine neue Stelle kann durch den Mere-Exposure-Effekt positiv beeinflusst werden.

Sicher mag es oft nur ein Grund von vielen sein, warum sich jemand für dich entscheidet. Und in manchen Situationen wird die Auswirkung des Effektes nur marginal sein oder gar keine Rolle spielen. Und doch fand ich es so interessant, dass ich es hier einmal vorstellen wollte.

Fällt dir noch eine Gelegenheit ein, wo sich das Phänomen auswirken könnte?

 

Warum ein neugieriges Kind ein schlauer Erwachsener wird und was wir dafür tun können

Für Kinder ist die Welt ein einziges großes Abenteuer. Nahezu alles ist spannend und erforschenswert. Sie haben jede Menge Fragen und manch ein(e) Erwachsene(r) findet den kindlichen Wissensdurst anstrengend, weil man mit dem Antworten kaum hinterherkommt.

Die Frage lautet nun: Muss ich überhaupt antworten?

Der Pädagoge Salman Ansari hat ein spannendes Plädoyer gegen den Frühförderwahn geschrieben: “Rettet die Neugier”. Ich habe das Buch vor einer Weile gelesen und fand es sehr interessant. Die Experimente, die er mit Kindergartenkindern gemacht hat, sind großartig. Ansari rät, Fragen von Kindern nicht einfach zu beantworten, so dass sie “die eine Wahrheit” hören, sondern Fragen zum Anlass zu nehmen, die Neugier der Kinder zu fördern.

Neulich erzählte mir mein Sohn beispielsweise von seiner Beobachtung, dass ein Gegenstand, der weit weg ist, kleiner aussieht, als wenn er nah ist. Ich hätte ihm jetzt das Prinzip der Perspektive erklären können. Aber damit hätte ich ihm eine vorgefertigte Antwort gegeben und seine Forscherneugier erstickt. Wozu? Er hat doch alle Zeit der Welt. Er ist ein Kind und kann das Wort für dieses Kleiner-größer-Ding irgendwann lernen. Wir haben erst einmal beschlossen, das weiter zu untersuchen. Ob das auf alle Gegenstände zutrifft. Und ob es anders ist, wenn es dunkel oder hell ist. Und ob das Wetter eine Rolle spielt. Ob es einen Unterschied macht, wenn es ein Lebewesen und kein Gegenstand ist. Und wer weiß, was uns noch einfallen wird…

waldspaziergang

Ein anderes Forscherexperiment: Letztes Jahr im Herbst haben wir untersucht, was im Wasser schwimmt und was nicht. Wir haben im Park vor unserem Haus immer wieder alles mögliche ins Wasser geworfen, was wir dort gefunden haben – Steine, Kastanien, Stöcke, Federn, Blätter – und geschaut, was passiert. Irgendwann wird er lernen, dass es den Auftrieb gibt. Da hat er es aber schon erforscht und wird die Theorie aufgrund seiner praktischen Erfahrung hoffentlich besser verstehen.

Warum ist Neugier so gut?

Im Jahr 2011 untersuchte die Londoner Psychologin Dr. Sophie von Stumm die Prüfungsleistungen von Studenten in Abhängigkeit von deren Neugier und Intelligenz. Die Studie ergab, dass die Abschlüsse umso besser ausfielen, je größer die Neugier des Studenten war. Und das war auch noch unabhängig vom Intelligenzquotienten.

Neugier ist der fundamentale Antrieb für Lernen. Kinder werden mit einer natürlichen Neugier geboren. Das ist einfach wunderbar. Leider wird sie ihnen allzu oft abtrainiert. Erst von Eltern, die auf “warum” mit “darum” antworten, anstatt sich auf die Erlebniswelt des Kindes einzulassen, dann von der Schule, die den Kindern Antworten auf Fragen vorgibt, die sie selbst gar nicht gestellt haben.

Neugier ist wichtig und macht schlau. Kinder sind eine wunderschöne Gelegenheit, seine eigene Neugier wieder hervorzukramen und die Welt zu erkunden.

 

(Foto: privat)