Hui, Verschwörung, Verschwörung

Im Neon-Blog las ich ein Interview mit Professor Armin Pfahl-Traugber über Verschwörungstheorien und warum sie sich so hartnäckig halten.

Der Soziologe Pfahl-Traughber erklärt Verschwörungstheorien als ” im Grunde falsche Ideologien”. Personen, die daran glauben, versuchen hierdurch komplexe Zusammenhänge zu vereinfachen.

Wie kann das sein? Nun, wir suchen für alles immer nach dem Grund, der Schuld oder einer Logik dahinter. Wenn etwas gewaltiges passiert, fällt es jedoch manchmal schwer, Zusammenhänge oder Hintergründe zu begreifen. Da springt dann schon mal die Phantasie ein und erfindet die wildesten Geschichten.

Im Interview sagt Pfahl-Traughber: “Die Anhänger [Anm.: einer Ideologie / Verschwörungstheorie] haben das Gefühl, dass sie auf der Seite des Guten stehen.” Dabei sei es unabhängig vom Grad der Bildung, ob man anfällig für Verschwörungstheorien ist oder nicht.

Das Interview fand ich sehr spannend – vor allem den Hinweis, dass viele Menschen, die auf eine Verschwörungstheorie hereingefallen sind oder sich selbst eine zurechtgebastelt haben, davon nicht abzubringen sind, weil sie Gegenargumente als Lüge betrachten und nur nach Informationen suchen, die ihre Theorie bestätigen.

Spannend, oder?

Der inspirierende Herr Professor D.

Neulich hörte ich im Rahmen einer beruflichen Veranstaltung einen Vortrag von Professor Dr. Klaus W. Döring von der Technischen Universität Berlin.

Nun ist das Thema Lernen eines, was mich insbesondere seit der Geburt meines Sohnes sehr interessiert. Ich finde es unfassbar spannend, wie sich das Gehirn im Laufes des Lebens entwickelt, wie es Informationen aufnimmt, verarbeitet, speichert und wie man diese wieder abrufen kann.

Gleichzeitig bin ich gern unter lernenden Menschen. Wer lernt nicht gern neues?

Dies führte nicht zuletzt dazu, dass ich nebenamtliche Fachdozentin wurde. Ja, und so geriet ich dann in den Vortrag, von dem ich hier berichten möchte.

Professor Döring stellte seinen Vortrag unter das Motto “Lehren – eine Dienstleistung”.

Allerdings war es nicht wirklich ein Vortrag – es war eher eine sehr unterhaltsame Vortragsshow. Man muss dazu sagen, dass Professor Dörung Jahrgang 1938 ist. Wie er uns aber versicherte, spielt er noch zweimal wöchentlich Tennis und so war es kaum verwunderlich, dass er während des Vortrags auch mal auf die Knie fiel oder von einer Seite des Raumes zu anderen sprintete.

Durch seine freundliche und warmherzige Ausstrahlung und die geistreiche, manchmal etwas “kecke” Vortragsweise zog er alle Zuhörer in kürzester Zeit in seinen Bann. Es wurde viel gelacht und kein einziges Mal gegähnt.

Aber kommen wir endlich zum Inhalt.

Angefangen von der Rolle des Lehrenden als Führungsfigur, die Lernen ermöglichen soll, über die fünf Kompetenzen, die einen (guten) Lehrenden auszeichnen, über den Begriff des Lernens an sich (das heißt, unter welchen Bedingungen ist Lernen eigentlich möglich) bis hin zur Stoffreduktion und Stoffstruktur habe ich sehr viel erfahren und einige Aha-Erlebnisse gehabt.

Es ist ein gutes Gefühl, wenn einem ein Praktiker mit jahrzehntelanger Erfahrung einfach mal direkt sagt, dass es nicht die Aufgabe des Dozenten ist, alles, was er über ein Thema weiß, auf die Seminarteilnehmer zu übertragen. Was ich in drei oder mehr Jahren gelernt habe, kann ich doch gar nicht erwarten, dass die Teilnehmer es in zwei Stunden verstehen und verinnerlichen. Unmöglich!

Das war mir als Anfänger oft wirklich nicht bewusst. Ich war damals immer versucht, möglichst alles, was es über ein Thema gab, in meiner Unterrichtszeit unterzubringen. Schließlich weiß man ja nicht genau, welchen Aspekt ein Prüfer in einer Klausur oder mündlichen Prüfung später aufgreifen wird. Es dauerte eine Weile, bis ich mich davon gelöst hatte.

Denn genau das ist eine falsche Herangehensweise, wie mir im Vortrag nun ebenfals bestätigt wurde. Viel wichtiger ist es, Lernsituationen zu erschaffen. Das heißt, die Teilnehmer müssen so viel wie möglich anwenden, wiedergeben, ausprobieren, üben – alles andere tun als nur zuhören und Theorie einatmen.

Dies ist natürlich nicht neu und ich will es auch gar nicht episch ausbreiten. Und es gibt ja zwischenzeitlich auch jede Menge Literatur und Seminare auf dem Markt.

Professor Dr. Klaus Döring hat unter anderem ein Buch für die Weiterbildung geschrieben. Es heißt “Handbuch Lehren und Trainieren in der Weiterbildung” und ist in meinen Augen eine Leseempfehlung.

Alles in allem war der Vortrag von Professor Döring das beste, was ich während der zweitägigen Veranstaltung erlebte.